Kategorie: Blog

Texte

  • 8 ct

    8 ct

    Ich hatte doch von diesem fehlenden Elektrobauteil erzählt, das die Fertigstellung meines Adventskalenderbausatzes verhindert hat. Mein persönlicher BER sozusagen. Sie erinnern sich?

     

    Ganz so schlimm Wie beim BER kam es dann aber doch nicht. Es begab sich nämlich zu der Zeit, dass ich doch noch mal in die große Stadt kam und dem Elektobauteilehändler meines Vertrauens einen Besuch abstatten konnte. Elektrobauteile gab es dort früher wie Schüttware in großen und kleinen Schütten, die wiederum in endlos langen Regalen lagerten. Heutzutage muss man dafür zum Fachmann an die Kundentheke.

     

    Ich bin nervös. Schließlich möchte man sich vor dem Experten nicht als elektronischer Laie outen, der Schaltpläne nur stumpf gemäß Schaltplan eines Adventskalenders zusammenstöpselt, aber in Wahrheit keine Ahnung von der Funktionsweise der kleinen feinen Teilchen hat.

     

    „Ich brauche einen Elektrolythkondensator. 100µF!“ kam es mir so locker von den Lippen, als würde ich tagein tagaus nichts anderes bestellen.

     

    Mein Gegenüber lässt mich aber mit einem: „Welche Spannung soll daran liegen?“ ebenso locker abtropfen. Ich werde rot, kurz, entsinne mich aber schnell der zwei 1,5 Volt Batterien, die ich in meiner Schaltung verbaut habe, und kontere: „Drei“.

     

    Der Elektromeister wälzt Seiten in einer Inventarliste, schlurft nach hinten und kommt mit irgendetwas zwischen Daumen und Zeigefinger wieder aus dem Lager. Das Irgendetwas wird nebst Beipackzettel mit aufgedrucktem Barcode in einen Plastikcontainer von der Größe eines Bandes von Meyers Lexikon gelegt und dieser anschließend versiegelt. Damit marschiere ich zur Kasse.

     

    Ich kenne diese Boxen als Diebstahlsicherung, damit kleine, relativ wertvolle Gegenstände nicht einfach so in der Hosentasche verschwinden können. Sehr effektiv. Einfach zu öffnen sind sie auch nicht. Selbst für das autorisierte Personal an der Kasse nicht, dessen  Spezialwerkzeug nicht zum Ziel führt. Eine Kollegin muss mit einer Haushaltsschere zur Hilfe eilen und mit vereinten Kräften wird der Elektrolytkondensator schließlich nach mehrminütigem Kampf aus seinem Safe befreit, der Barcode gescannt und mir die Rechnung präsentiert:

     

    „Acht Cent“

     

    Elektrolythkondensator
    Elektrolythkondensator 100µF

  • Federleicht

    Federleicht

    Vorweihnachtszeit – Nervkram wie jedes Jahr – und dabei rede ich nicht vom Geschenke- und Besinnlichkeitsstress. Es ist der alljährliche Kampf mit der Jahresendadministration, Restbudgets und menschlichen Arschlöchern. Und dennoch. Heute morgen war mir federleicht.

     

    Lächelnd schwinge ich mich auf mein Rad und während ich zur zur S-Bahn sause, geschwind durch den noch nicht winterlichen Wald rolle und frohen Mutes die Überführung zur Bahn hochstrampele, rätsel ich noch, warum das heute so ist. So federleicht.

     

    Und als ich schließlich den Drahtesel am Fahrradständer ankette, fällt es mir schlagartig auf.

    Laptop nicht eingepackt.

     

    Foto: Marina Wiblishauser  / pixelio.de

  • Kalenderfrust

    Kalenderfrust

    Einer meiner vier Adventskalender ist in diesem Jahr ein Eigenbauradio. Jeden Tag ein weiteres elektronisches Bauteil und am Ende steht ein Pappschächtelchen das ein vollwertiges Radio beinhalten soll. Los geht’s mit ein paar einfach Übungen die Widerstand und Leuchtdiode zum Leuchten sowie einen kleinen Lautsprecher zum Knacken bringen. So weit so schön.

     

    Dann wurde ein Kondensator angekündigt, genauer gesagt: ein Elektrolytkondensator, auch liebevoll Elko genannt. Eine Kapazität von 100 µF, sprich Mikrofarad, sollte er haben. Das ganze auf zwei unterschiedlich langen Beinchen, den Pluspol am längeren, um es ja nicht mit dem weiß markierten Minusbein zu verwechseln. Ich war also gewarnt, als ich das Törchen aufknibbelte. Doch was mir entgegenschaute, hatte nicht ein, nicht zwei, es hatte drei Beine. Und die auch noch alle gleich lang. Plus-, Minus- und welcher Pol noch? Nord oder Süd? Oder gar Ost oder West?

     

    Transistor

     

    Schnell war klar: ein Transitor. Auch ein schönes Bauteil, nur für die Schaltung des Tages leider nicht vorgesehen. Der Plan, schnell Ersatz im örtlochen Elektronikbastelladen zu besorgen, scheiterte leider daran, dass dieser Laden einem für Malerbedarf Platz gemacht hat. Pinsel helfen mir aber nicht.

     

    Also habe ich mit denkbar schlechtem Gewissen schon mal alle weiteren Törchen geöffnet. Doch die Hoffnung auf eine Verwechselung starb mit dem Blick hinter das 24. Törchen. Kein Elektrolytkondensator. So ein Mist.

     

    Ich schraube dann mal mein altes Transitroradio auseinander und schlachte es aus.

     

  • Advent in Zeiten der Überforderung

    Advent in Zeiten der Überforderung

    Ich mag die Adventszeit. Mit zunehmendem Alter auch wieder zunehmend mehr. Jahrelang haben wir den Kindern den laubgesägten Nikolaus mit 24 kleinen Stoffsäckchen behängt und uns an den leuchtenden Augen erfreut, wenn sie morgens dort Flummis, Stifte oder Kaugummi hervorholten. Das ist nun schon länger vorbei. Bei uns.

    nikolaus

    Dafür hat meine himmlische Schwester in diesem Jahr an mich gedacht und mir diese kleine feine To-Go-Variante geschenkt. Fällt unterwegs gar nicht auf, ob man aus dem Kalender nacht oder irgendeine Pille einwirft.

    himmlisch

    Aber in der immer komplexer werdenden Welt wächst das Angebot an Adventskalendern in’s nahezu unermessliche. Seit vier Wochen springen mich bei Edeka der Chippendale-Adventskalender für die reifere Dame oder der After-Eight-Turm an. Direkt neben dem Büchsenbier-Kalendarium für die echten Kerle (die bräuchten sich eigentlich nur ne normale Kiste zu kaufen und die 24 Pullen durchzunummerieren) und der Lady-Variante mit Büchsenprosecco.

    Mein Spieltrieb wurde ja gekitzelt, als ich vor einiger Zeit den Conrad Adventskalender entdeckt habe, den ich mir letztes Jahr selber geschenkt habe. Das Kitzeln wurde noch durch die Technik-Varianten Raspberry Pi, IoT (Internet of Things) und Radiobausatz gesteigert. Bei den dreien konnte ich dieses Jahr nur von IoT die Finger lassen. Die anderen beiden liegen jetzt hier.

    Und zur Krönung kam noch der beste Lauffreund von allen vorbei und stellte den „echten Räucherkegel Adventskalender“ vor die Tür.

    img_1068

    Und jetzt komme ich bereits an Tag 4 komme kaum noch hinterher. Zeitmanagement ist gefragt. Schließlich will man ja auch in Ruhe erschnuppern, ob da Lavendel- oder Butterwaffeldampf (-qualm) aus dem Rauchkegel aufsteigt. Und die Schaltungen und Programme bei den Technik-Kalendern wollen nicht nur stumpf zusammengestöpselt und kopiert sondern in Ruhe analysiert sein, damit man im Anschluss vielleicht ein TV-Gerät statt eines Dampfradios bauen kann.

    raspberry_colalge rgb

    Ich bleibe dran. Und wenn ich die Zeit finde, gibt es hier auch Fortschritte zu sehen. Aber nur dann.

  • 100 mal x mal deutsch

    100 mal x mal deutsch

    In der Rheinischen Post fing es mit 100 mal deutsch an. Die Liste hat nicht nur mich sondern auch zahlreiche Leser angefixt, sie zu ergänzen. Ich hab dann zusätzlich noch ein bisschen gebastelt.

    Hier die Wortschau zum Einheitsbrei -tag. Ergänzungen erwünscht. Aktuell ist x = 2,78. Danke schon mal an die liebe Unterstützung durch Andrea von Worte Willich.


    Wortspiel

  • Schweigen

    Schweigen

    Katze
    Schweigen

    Tatsächlich aber konnte Frohnberg Hunden nichts abgewinnen.  Das Adjektiv „hündisch“ sagte alles. Hunde waren Schwätzer. Mit Katzen konnte man schweigen. Es wurde sowieso zu viel geredet in dieser Welt.

    aus: Frank Goosen, Raketenmänner, KiWi, 2014.

    Ich entschuldige mich schon mal bei allen Hundefreunden, aber der Satz ist klasse! ;)

  • schön bunt

    schön bunt

    Mitte der Achtziger. Eine üble Dekade. Ruhrgebietstypisch verkürzt: schön bunt. Nur ohne das schön.

    Torsten Sträter, aus: Der David ist dem Goliath sein Tod. Das erste Mal

    image