Eine verrückte Schachpartie

     

Grinseschach im Wunderland

Der Märzhase und der Hutmacher sitzen an einem großen langen gedeckten Tisch und feiern Nichtgeburtstag. Der Siebenschläfer ist auch mit von der Partie, jedoch war er just in einem Augenblick eingeschlafen, als er sich ein Stück von der Sahnetorte nahm. Nun dient ihm die Torte als Kopfkissen.

„Mir ist langweilig“, seufzt der Märzhase und schaut abfällig auf den Siebenschläfer.

„Jap!“ stimmt ihm der Hutmacher zu, „die Weilen waren auch schon mal kürzer hier. Spielst du Schach?“

„Ja, was denkst du denn? Ich hab schon gegen den Schachgroßmeister Hieronymus Krötenplätt gespielt als dieser noch in den Windeln lag“, entrüstet sich der Märzhase und tut beleidigt.

„Prima!“ schreit der Hutmacher und macht mit einer großzügigen Bewegung seiner Arme Platz auf dem Tisch. Dann nimmt er einen Zettel, der in seinem Hutband steckt und auf dem ‚In This Style 10|6 ‚ steht. Er dreht den Zettel herum, klatscht ihn vor dem Märzhasen auf den Tisch und holt einen Pinsel aus einer Seitentasche seines Jacketts. Diesen taucht er in ein Glas Brombeermarmelade und malt ein Schachbrett auf den Zettel. „Lass uns loslegen!“ fordert er den Märzhasen auf.

„Du hast die Figuren vergessen“, stellt der Märzhase trocken fest und verdreht dabei die Augen.

„Kein Problem!“ erwidert der Hutmacher gelassen. Er hüpft auf den Tisch und läuft ohne Rücksicht auf das Gedeck zu nehmen ans ferne Ende der Tafel. Dort findet er einen großen Marmorkuchen.“Perfekt“, kommentiert Hutmacher seinen Fund. Stolz rennt er zum Märzhasen zurück, lässt den Kuchen direkt vor dessen Nase auf den Tisch fallen und meint „Schachfiguren! Bitte schön, bitte gleich!“  Er zerbröckelt den Kuchen, wobei er fein säuberlich die dunklen Kuchenanteile von den hellen trennt.
Die hellen Brösel vermengt er mit Milch, die dunklen mit Brombeermarmelade. Dann bastelt er aus diesen Bröselpampen schnell und geschickt je 16 schwarze und 16 weiße Schachfiguren.

„Wow!“ bewundert der Märzhase das Werk des Hutmachers. „Die sehen ja total echt aus. Die Weißen haben sogar eine leichte Holzmaserung und der kleine weiße Bauer da sieht so aus als müsse er mal ganz dringend Pipi machen.“

„Danke, danke!  Zufiel des Lobes mein lieber Märzhase“, wehrt der Hutmacher ab. Dann stellt er die Figuren den Regeln entsprechend auf das improvisierte Schachbrett. „Es kann losgehen. Ich hab die Weißen, ich fange an.“ Der Hutmacher zieht einen Bauer von c2 nach c3.

„Ein gar waghalsiger Zug, lieber Hutmacher“, spöttelt der Märzhase und zieht seinen Springer von g8 nach h6.

Der Hutmacher zieht seine Dame von d1 nach a4. „Harrr! Damit hättest du nicht gerechnet, was?“

„Gardez!!!“ schreit da der Märzhase und zieht seinen Springer von h6 nach a4 und schmeißt Hutmachers weiße Dame um.

„Das war ein fürchterlich hinterhältiger Zug.“ beschwert sich der Hutmacher.

„Warum, ich habe doch laut und deutlich „Gardez“ geschrien?“ wehrt der Märzhase ab.

„Das war mehr als fair von dir, mein Lieber,  aber du bist von der rechten Seite des Schachbretts direkt auf die linke Seite gesprungen. Seit wann ist das denn erlaubt?“ fragt Hutmacher.

„Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich von der linken Seite in die rechte Seite gesprungen bin, aber das mag Ansichtssache sein. Jedenfalls hat die Grinsekatze diese Art von Spielzügen erlaubt“,  antwortet der Märzhase und verschränkt dabei wichtigtuerisch seine Arme vor der Brust.

„Die Grinsekatze? Das sieht ihr mal wieder ähnlich. Verschwindet einfach von irgendwo und taucht wo anders wieder auf“,  sinniert der Hutmacher.

„Man sagt, sie könne auch an Orten verschwinden an denen sie gar nicht ist“,  wirft der Märzhase ein.

„Ja, und manchmal taucht sie sogar an Orten auf an denen sie schon ist“,  grummelt der Hutmacher. „Aber ich sag dir, das sind alles nur ganz billige Tricks. Sie krümmt den Raum, macht dann Links aus Rechts und Rechts aus Links, bis man die beiden nicht mehr unterscheiden kann. Na, gut, dann spielen wir also Grinseschach. Gib mir mal den Sirup rüber.“

Der Märzhase kräuselt verständnislos die Augenbrauen, gibt dem Hutmacher aber das Gewünschte. Jener fegt die Schachfiguren vom Brett und klebt mit dem Sirup die rechte und linke Seite des Schachzettels aneinander, so dass eine Schachröhre entsteht.

„Na bitte, jetzt sieht man dem Spiel wenigstens die Grinsekatz-Regeln an.“

„Klasse, lass uns die Figuren aufstellen“, meint der Märzhase und stellt die schwarze Dame auf ihren Platz . Die Schwerkraft siegt. „Mist!“ ereifert sich der Märzhase.

„Wir könnten sie mit Sirup ankleben“, versucht es der Hutmacher.

„Na, toll, und wie sollen wir sie dann bewegen, wenn sie festgeklebt sind?“ grummelt der Märzhase.

„So ein Mist!“ regt sich Hutmacher auf und schlägt mit der flachen Hand auf die Schachröhre.

Wir sind im Wunderland und dort passieren seltsame Sachen. Die Röhre wird nicht zu einem Papierknäuel zerdrückt. Statt dessen dehnt sich die Röhre vom unteren Rand aufwärts und eine Scheibe mit Schachbrettmuster und einem Loch in der Mitte entsteht.

„Donnerwetter!“ staunt der Märzhase, „Wie hast du das denn gemacht?“

Statt eine Antwort zu geben stellt  Hutmacher die Figuren auf das neue runde Schachbrett. „Diesmal hast du die Weißen. Fang an!“

.. und sie spielten eine lange Schachpartie. Zwischendurch erwachte kurz der Siebenschläfer, warf einen kurzen Blick auf das Spielgeschehen und meinte „Mehr Kirschen!“ dann nickte er wieder ein.

4 Gedanken zu “Eine verrückte Schachpartie

  1. Genialisch! Das möcht ich mal spielen mit dem Hütchenspieler! Aber ich möchte bitte die Roten, die roten Figuren.
    Gibt es sowas schon? Geht das überhaupt bei dieser Endlosigkeit? Kann man in radialer Richtung die Anzahl der Felder erhöhen? Generell oder als Schnecke? Hast du das als Gebrauchsmuster schützen lassen?

    • Hi FiZe!
      Jap, ich dachte auch zuerst eine Marktlücke entdeckt zu haben aber rundes Schach gibt’s schon ganz lange, man nennt das byzantinisches Schach, oder so, glaub ich.

      Liebe Grüße vom Hutmacher

        • Hab inzwischen gegoogelt. Beim byzantinischen gab es aber etwas andere Figuren mit etwas anderen Spielzügen und anderer Aufstellung. Stellt sich doch die Frage, ob es so geht, wie du das erdacht hast.

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