Das Adventskranzkerzenproblem


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Jedes Jahr zum zweiten Advent geht sie los, die Diskussion:
Wie zünde ich die zweite Kerze an?


Nehme ich zwei neue, jungfräuliche Kerzen, damit alle Kerzen möglichst gleichmäßig abbrennen?

 

Und wenn ja, welche? Zwei nebeneinander liegende oder gegenüber stehende? Was hat mehr Symbolkraft?

 

Und wenn man sie dann ausgepustet hat, sieht es so aus, als ob schon drei Kerzen in Benutzung waren und die Nachbarn könnten glauben, man hätte schon den 3. Advent vorgezogen. Nein, das geht nicht!

Und wieder eine Woche später? Welche 3 Kerzen nimmt man dann, um möglichst gleichmäßig zu bleiben? Die drei, die bislang schon angekokelt sind? Die haben nach dem 2. Advent alle die gleiche Länge und brennen zu dritt schön gleichmäßig weiter ab. Bloß steht dann die 4. Kerze wie ein Fels in der Brandung und wird den Vorsprung der anderen nie aufholen können.

 

Andererseits: Nimmt man die noch frische (nennen wir sie D) zu den zweien vom 2. Advent (B und C), dann sind diese beiden am Ende des Tages um zwei Adventssonntag gekürzt, während D und A erst um die Länge eines Sonntags abgebrannt sind. Ist das das höchste Maß an Gleichmäßigkeit?

 

Verfechter der Variante II, nämlich pro Adventssonntag immer EINE neue Kerze hinzuzunehmen, erhalten ein schönes Treppenmuster. Sie müssen sich aber mit der Investition in eine 5. Kerze auseinandersetzen, da die erste Kerze in der Regel vor oder während des 4. Adventsonntages heruntergebrannt sein wird.

 

Zögert man diesen Austausch hinaus, was in Zeiten knapper werdender Finanzmittel verständlich ist, fangen die grünen Zweige, die spätestens am 4. Adventssonntag furztrocken sind und wie Zunder brennen, Feuer. Das greift schnell auf die Polyester-Tischdecke über, setzt den Holztisch mit in Flammen und schon leuchtet die Hütte flackernd über den ganzen Ort. Die Sirenen setzen ein und alle singen, „Wir sagen euch an, den lieben Advent“.

 

Was ist zu tun? Guter Rat ist teuer. Ich bekomme schon Kopfschmerzen. Aber ich will mich der Verantwortung auch nicht entziehen: Ich bin mutig. Ich zünde jetzt die zweite Kerze an. Bitte achtet auf die Sirenen in zwei Wochen.

 

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Ein Gedanke zu “Das Adventskranzkerzenproblem

  1. Glaube zutiefst an dieses Problem, an seine Praxisrelavanz, und an die Notwendigkeit einer adäquaten mathematischen Erforschung desselben.

    Auch hatte ich gerade eben eine durchaus einfache Lösung erdacht, allein diese Seite reicht nicht aus um den Beweis zu skizzieren.

    Liebe Grüße,

    Dein Pierre de Fermat

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