Hilfe! Mein Auto !

 

 

 

 

 

 

 

Ich hab es eilig heute.  Schon den ganzen Tag irgendwie.  Noch einkaufen und bevor ich die Kinder abhole,  muß das Tiefgefrorene noch schnell verstaut werden.

Rasant biege ich auf die Hauseinfahrt , packe das Tiefgefrorene, renne zur Haustüre , schließe auf und … und sehe im Augenwinkel, wie mein Auto langsam, gaaanz langsam die Einfahrt  herunterrollt.

Geistesgegenwärtig sprinte ich zurück, um mein Auto gegenzuhalten.

Gut geschafft. Nun nichts einfacher als die Tür geöffnet, Handbremse angezogen und fertig.

Komisch. Eigentlich ziehe ich immer die Handbremse an. Eher einmal zu viel , als einmal zu wenig. Ich lege immer den Gang ein, wenn ich parke und ich schließe nie, nie mein Auto ab. Schon gar nicht vor der Haustür.

Heute habe ich es eilig. Heute habe ich irgendwie alles anders gemacht. Keine Handbremse, keinen Gang, Tür verriegelt.

Also stemme ich mich weiterhin mit vollem Gewicht gegen mein Auto.

Der Schlüssel liegt im Hausflur, die Haustür steht offen.  Noch!

Ein Windhauch und die einzige klitzekleine Chance, die ich noch habe, ist vertan.

Ich rechne mir aus wieviele Sekunden ich habe, um in den Flur zu rennen, rechtzeitig am Auto zurückzusein, es aufzuschließen, um dann endlich die Handbremse anzuziehen.

Schier unmöglich. Die einzige Chance, der peinliche Ruf um Hilfe. Denn das Auto wird schwer, immer schwerer.  Nachbarn, die sonst schon morgens um sieben den Bürgersteig fegen, hinter den Vorhängen lünkern, einkaufende Hausfrauen, wo seit ihr? Mütter, die ihre Kinder vom Kindergarten abholen, alle längst zu Hause, der Nachbar, der pünktlich um 15 Minuten nach Zwölf sein Mittagessen vorgesetzt bekommt, längst schon wieder zur Arbeit. Kein Hundebesitzer, der Gassi geht!

Dann endlich! Eine mir völlig unbekannte Radfahrerin biegt um die Ecke. Ich winke, rufe. Hallo! Haalloooo!! Nichts .  Sie fährt weiter.

Hiiiiiillfeeeeeeeeeeeee!

Wie in gefühlter Zeitlupe  kommt sie um die Ecke zurück.

Es gibt verschiedene Kategorien Menschen. Z.B. die, die ALLES nett gefragt werden wollen. Aber manche Situationen erfordern ein SCHNELLES Handeln und lassen keine Zeit für langes Bitten und Bedächtigkeit.

„Hallo Sie müssen mir helfen.“  Fragender Blick die Antwort.  Ich erkläre ihr kurz aber verständlich die Situation.  „Mein Auto.  Rollt. Wenn ich es nicht gegenhalte. Auf die Straße. Vor den Baum. Da! Bitte holen sie den Schlüssel. Im Haus. Schnell.“

Nichts. Sie steht und guckt.

„HOLEN SIE DN SCHLÜSSEL! SCHLIEßEN SIE DEN WAGEN AUF UND ZIEHEN SIE DIE HANDBREMSE AN!BIIITTEEE!“

„Nein, das mache ich nicht!“

„Hä? Wie bitte? Doch! Weil ich den Wagen nicht mehr lange halten kann und wir keine Zeit für ausführliche Diskussionen haben und wenn die Türe gleich zuknallt…“

„Nein, das mache ich nicht.“

„Ich kann nicht mehr, bitte. Der Schlüssel, er liegt auf der Kommode…“

Ich weiss nicht , ob mein hochroter Kopf, Wut, Verzweiflung oder Kraftanstrengung bedeuten. Aber es hat Wirkung. Sie bewegt sich aufeinmal. Stellt ihr Fahrrad zur Seite.

„Ich halte den Wagen und Sie holen den Schlüssel selbst.“

So haben wir es gemacht.

Noch ehe ich mich richtig bedanken konnte, war die Frau verschwunden. ???Ich habe sie nie wieder gesehen und konnte sie leider nie mehr fragen, was nun eigentlich IHR Problem war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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7 Gedanken zu “Hilfe! Mein Auto !

  1. Toller Text einfach Genial vor allem das Bild.
    Ich schicke dir ein paar Antirutschmatten die erhöhen den Reibbeiwert, vielleicht bleibt dein Auto dann beim nächsten mal
    Stehen bis du wieder draussen bist.

  2. Das war spannend. Klasse beschrieben! Hab ich gerne gelesen.

    Besonders: „.. um mein Auto gegenzuhalten“ also das ist schön beschrieben. Mag ich. Denke diese treffende Umschreibung kommt aus deinem holländischen Wortschatz, oder?

    Glaube die Dame auf dem Fahrrad hatte vielleicht irgendwie „Sozial-Angst“ (timor sozialis). Also durch eine fremde Haustüre gehen und dann noch nach einem fremden Autoschlüssel suchen, also da gehört schon ziemlich viel Mut zu. Herr Gott, ihr hättet euch womöglich sogar noch näher kennengelernt. Das ist nicht Jedermanns oder in diesem Fall Jederfraus Sache. Das hätte ja im schlimmsten Fall zu einer Sozialinfektion (sepsis sozialis) führen können. Uhhhhhh!

    Und du fährst eines dieser genialen KFZts deren Funktionsweise man noch ohne Informatikstudium verstehen kann? *Gick* ich liebe Enten (also im übertragenen Sinne natürlich).

    Liebe Grüße vom Hutmacher

  3. Gratulation zum grandios bestandenen Test!! Aber braucht man nicht drei Frauen zum Halten eines dreigeteilten Autos? Nein halt! Zwei! Das Mittelteil einer Ente krallt sich räderlos alleine an der Erdoberfläche fest. Das macht die Schwerkraft: Masse mal Erdbeschleunigung mal Reibwert. Da kommt bei diesem Kiesboden mehr raus, als eine Frau alleine stemmen kann. Unverschlüsselt herzliche Grüße vom FiZe

    • Fize: Was oder wie viel ist der Reibwert? (Klingt irgendwie unanständig, denke aber da gibt es eine wissenschaftliche Definition für.)

      Wissbegierig, Hutmacher

  4. Ha ha …..kann mir schon denken, welchen Test du bestanden hast!!! Gar nicht so einfach die Frickelei … gelle???
    Haste aber klasse gemacht. Echt!!! Glückwunsch auch von mir :)

    Also Leute gibts … da kannste wirklich nur mit dem Kopf schütteln … aber das wissen wir ja ;-))
    … und dann gibt es auch noch solche Tage … an denen aber auch alles, alles schief geht. Da kommen solche Leute gerade recht. Hab mich köstlich amüsiert … auch wenn du Stress hattest ,-)

    Ach ja … deine Ente ist ja sowas von klasse … GENIAL!!!!

  5. Glückwunsch zum bestandenen Test. Und zur Geschichte. Die lass aber ruhig stehen! Die ist plastisch. Die ist gut!
    Grüße
    Howie

    PS: Bitte nicht böse sein, dass ich ein wenig rum gespielt habe…

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